„Medizinische Versorgung bleibt größte Herausforderung“

Haßfurt/ München. Der Gesundheitspolitische Arbeitskreis der CSU (GPA) hat sich am Dienstag unter Leitung von Vorsitzenden Dr. Alexander Ambros in Haßfurt zur Jahresabschlusssitzung getroffen. Als Referenten hatte Dr. Ambros (Knetzgau) den Landtagsabgeordneten Steffen Vogel, als Mitglied im Gesundheitsausschuss, eingeladen, damit dieser den GPA´lern Rede und Antwort steht. Beherrschendes Thema des Abends war natürlich die Frage zur Zukunft der Geburtshilfestation in Haßfurt. Die Mitglieder des GPA zeigten sich sehr zufrieden, dass der Freistaat „gerade noch rechtzeitig“ in die Förderung des Defizites von Geburtshilfestationen einsteigt, wie Dr. Ambros betont.

Auch Vogel zeigte sich erleichtert, dass mit dem Förderprogramm nunmehr der Ball im Haßbergkreis liege und „wir es nun selbst in der Hand hätten“. So sei die Förderung nicht abhängig von der Geburtenzahl. „Während im letzten Jahr immer davon die Rede war, dass man mindestens 550 oder 600 Geburten benötige, müssten es nun nur mehr als 300 Geburten sein, was in Haßfurt leicht erreicht werden könne.“

Hürde wird sein, dass mindestens 50 Prozent der werdenden Mütter aus dem Landkreis in Haßfurt entbinden müssen. Vogel sieht dies trotzdem als Chance und wundert sich, mit welchem Pessimismus von Seiten der SPD dieses neue Förderprogramm in der Presse kommentiert wurde. „Wir sollten nun alle zusammenarbeiten, Optimismus und Aufbruchstimmung verbreiten, um die drei Geburten mehr pro Monat aus dem Haßbergkreis zu erreichen und nicht alles schlecht reden“, so MdL Steffen Vogel. Das Förderprogramm sei eine einmalige Chance für den Landkreis das Defizit in den Haßberg-Kliniken um über eine halbe Million Euro von einem Jahr auf das andere zu reduzieren und trotzdem die Geburtshilfestation zu erhalten. Dies sei eine gute Perspektive, für die es sich zu kämpfen lohne, so Vogel.

Eine Schlüsselrolle komme nach Ansicht der GPA-ler Karin Kramer und Stefanie Schilling den niedergelassenen Frauenärzten zu. Mit diesen müssen man im Rahmen eines „runden Tisches Geburtshilfe“ den regelmäßigen Dialog und Austausch suchen, erweiterte Vogel. Diese müssten mit ins Boot genommen werden, wenn es darum gehe, die Geburtshilfestation weiter zu entwickeln, damit künftig mehr Zuweisungen nach Haßfurt erfolgen.

Auch regt der Gesundheitspolitiker gezielte Werbe- und Marketingmaßnahmen der Haßberg-Kliniken an. Uns sollten 5.000 Euro oder 10.000 Euro nicht zu schade sein, um eine sehr professionelle Imagebroschüre für die Geburtshilfestation in Haßfurt zu erstellen und diese werdenden Müttern aus dem Landkreis zukommen zu lassen. Ebenso müsse man, so MdL Steffen Vogel, über einen Werbefilm ernsthaft nachdenken, den man in den sozialen Netzwerken, wie Facebook, verbreiten kann. „Die vielen zufriedenen Mütter könnten dabei die besten Werbeträgerinnen sein, um die Vorteile unserer Geburtshilfe herauszustellen“, so Vogel weiter.

Wenn wir mit 10.000 Euro Einsatz für Werbung und Marketing über 600.000 Euro Förderung bekommen, dann ist das ein gutes Geschäft für den Landkreis und die Haßberg-Kliniken, so MdL Steffen Vogel weiter.

Der Abgeordnete informierte weiter, dass am Donnerstag, den 21.12 der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken tage und auf der Tagesordnung sein Antrag stehe, die Geburtshilfestation aufgrund des neuen Förderprogramms über den 31.12.2018 hinaus fortbestehen zu lassen.

Vogel äußerte die Hoffnung, dass sich der Verwaltungsrat für einen Fortbestand entscheiden werde. „Ich werde jedenfalls dafür nachhaltig werben“, so Vogel kämpferisch. Er habe diesbezüglich auch bereits positive Signale von Landrat Wilhelm Schneider erhalten, der dies unterstütze.

 

Initiativen gegen den drohenden Ärztemangel

Zweiter großer Schwerpunkt des Abends war der Bericht von MdL Vogel über die Initiativen der CSU-Fraktion zur Bekämpfung des drohenden Medizinermangels in Deutschland und Bayern. Vogel erläuterte, dass die CSU-Fraktion insgesamt 27 Anträge in den Bayerischen Landtag eingebracht habe, mit welchen man dem drohenden Medizinermangel gegensteuern wolle. GPA-Vorsitzender Dr. Alexander Ambros hält dies für dringend notwendig. Positiv sei, dass das Bundesverfassungsgericht den strengen NC für Medizinstudenten gekippt habe.

Dem schloss sich Vogel an und erläuterte, dass der Landtag die Einrichtung einer sogenannten Landarztquote bei der Vergabe von Studienplätzen für Medizin beschlossen habe. Nach dem Willen der CSU sollen Abiturientinnen und Abiturienten leichter einen Studienplatz in Medizin erhalten, wenn diese sich verpflichten, nach dem Studium im ländlichen Raum als Allgemeinmediziner tätig werden. Zunächst soll die Quote bei 5 Prozent aller Studienplätze liegen. Auch soll dabei nicht nur der Notendurchschnitt beim Abitur entscheidend sein, sondern auch ehrenamtliches Engagement im ländlichen Raum solle genauso berücksichtigt werden, wie eine Berufsausbildung im medizinischen Bereich, z.B. als Krankenpfleger der Rettungssanitäter, erläutert MdL Steffen Vogel weiter.

Auch wurde beschlossen, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) nicht nur den aktuellen Bedarf an Medizinern und deren Versorgung feststellen müsse, sondern auch eine mittelfristige Bedarfsprognose zur flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Haus- und Fachärzten, um rechtzeitig erkennen zu können, wann ein Medizinermangel in einer Region drohe.

Laut Steffen Vogel sei dabei weiter wichtig, dass die KVB und die Krankenkassen übereinkommen, die Planungsbereiche weiter zu teilen. Dies sei für den Haßberg-Kreis sehr wichtig, so Vogel. So würde bisher nur geschaut, ob im Altlandkreis Haßfurt genug Ärzte seien. „Wenn in Haßfurt 20 Ärzte sind und im Steigerwald keiner, wäre es für die KVB zwar in Ordnung, aber nicht für die Menschen im Steigerwald die keinen Arzt vor Ort mehr hätten“, so Vogel weiter.

Kern des drohenden Medizinermangels sei es, so der Landtagsabgeordnete, dass es insgesamt zu wenig Medizinstudienplätze in Deutschland gäbe. „Bayern ist vorbildlich und errichtet in Augsburg eine neue Fakultät“, so Vogel, während die anderen Bundesländer eher die Studienplätze im Medizinerbereich zurückfahren, wegen hoher Kosten. „Die Vergabe der Plätze laufe dann aber wieder deutschlandweit, so dass die bayerischen Abiturienten nur wenig von mehr Studienplätzen in Bayern profitieren würden“. Wir brauchen mehr Medizinstudienplätze in ganz Deutschland, so Vogel weiter.

Denn es sei ein Armutszeugnis für die deutsche Hochschullandschaft, wenn wir zur Versorgung unserer Bevölkerung nur noch auf ausländische Ärzte angewiesen sind, während viele junge Abiturientinnen und Abiturienten gerne Medizin studieren würden, wir sie aber nicht lassen. Das gesamte Antragspaket für Maßnahmen gegen den Medizinermangel kann auf der Homepage von MdL Steffen Vogel hier heruntergeladen werden.

Download: Antragspaket