Kindertageseinrichtungen sind Umschlagplatz und Treffpunkt für die Menschen

„Die Kindertageseinrichtungen sind in der Summe für mich ein Umschlagplatz und Treffpunkt für die Menschen und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Kultur in unseren Wohngemeinden. Die Landkindergartenregelung in Unterfranken wollen wir als Kirche erhalten und wir sehen auch die Motivation für die Einrichtung in den Händen von Vereinen besser gewährleistet.“ Dies betonte Domkapitular und Diözesan-Vorsitzender der Caritas Unterfranken. Clemens Bieber, beim „Werkstattgespräch Kinderbildung und Kinderbetreuung in Bayern und im Landkreis Haßberge“ vor zahlreichen Erzieherinnen und Erziehern sowie ehrenamtlichen Helfern aus den Kindergärten im Landkreis.

Mit Clemens Bieber hatten die interessierten Teilnehmer einen kompetenten Ansprechpartner für ihre Fragen, denn der Domkapitular ist Vorsitzender des Bundesverbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder und damit ein ganz wichtiger Akteur im Bereich der Kindertagesstätten. Zudem betreibt die Caritas über ihre Trägervereine die meisten Kindertagesstätten im Landkreis.

Eingeladen hatte zu diesem Werkstattgespräch MdL Steffen Vogel, der Berichterstatter der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag für Kinderbildung und – betreuung ist, gleichzeitig auch als Vater dreier Kinder und Vorsitzendes des Trägervereins in Obertheres mit an der Front steht und nach seinen Worten von solchen Praxiserfahrungen auch für seine Arbeit in München nur profitieren könne. Die Werkstattgespräche seien schon in den Jahren 2013 und 2015 geführt worden und man habe inzwischen auch viele Verbesserungen erreicht. Hier nannte er die außerplanmäßige Erhöhung des Basiswertes um 126 Mio Euro, womit der Basiswert inkl. BW plus von 919,22 € (2012) auf 1 222,68 € (2018) angehoben wurde. Dazu kämen die Einführung der pädagogischen Qualitätsbegleiter (PQB)), erste Schritte zur Entbürokratisierung wie die Einführung des Jahresmittelwertes oder das Starten des Modellversuches „Optiprax“.

Domkapitular Clemens Bieber bestätigte, dass man in München Gehör gefunden habe und vor allem auch unterfränkische Anliegen einbringen konnte. Die Vorstellung der Qualitätsbegleitung sei dabei sehr wirkungsvoll gewesen. Das sei gut so, denn Franken sei ja weit weg vom Schuss und andere Diözesen hätten andere Strukturen. „Wir in Unterfranken halten an der Kleingliedrigkeit fest, weil sie zu einer guten Kultur in einer Gesellschaft zählt und das Füreinander in unserer Gesellschaft unterstreicht. Es wird nämlich kalt, wenn wir alles von anderen bestellen lassen.“

Die Landkindergartenregelung gebe es nur durch den enormen Einsatz von Landtagspräsidentin Barbara Stamm und durch sie könne man auch kleine Einrichtungen erhalten, wenn keine 25 Kinder mehr in der Gruppe vorhanden seien. Von den 503 Kindergärten in Unterfranken habe man den hohen Anteil von 25% an eingruppigen Kindergärten und von denen fielen wiederum die Hälfte unter die Regelung eines Landkindergartens. „Im Vergleich zu anderen Bundesländern tragen wir mit dieser Regelung dazu bei, den Lebensraum zu erhalten. In kleinen Dörfern ist manchmal ja schon alles weg und da ist dann oft die Kindertageseinrichtung der soziale Mittelpunkt im Ort“, betonte Clemens Bieber.

Der Bundesvorsitzende für Tageseinrichtungen Bieber zeigte sich froh, mit MdL Steffen Vogel einen interessierten und engagierten Gesprächspartner im Landtag und vor allem im entscheidenden Ausschuss zu haben. „Seit seinem Einzug in den Landtag hat sich die Sorge und Unterstützung für die Kindertageseirichtungen wesentlich verbessert und wir haben mit unseren Anliegen Gehör gefunden.“

Er stellte aber auch das Engagement der Kirche und der Diözese Würzburg heraus. So flössen Zuschüsse zu Baukosten in Höhe von 6-7 Mio pro Jahr in die entsprechenden Gemeinden und auch für die sonstige Infrastruktur, Fachberatung und Serviceleistungen stelle man noch einmal 3 Mio Euro zur Verfügung. „Ohne diese Unterstützung der Diözese könnten wir unsere Vereine draußen vor Ort nicht steuern.“

In diesem Zusammenhang habe man sich auch gegen die Kostenfreiheit für die Kindergärten ausgesprochen. Clemens Bieber kritisierte in diesem Zusammengang auch eine Plakatwerbung zu den Kindergartenbeiträgen „aber sie dürfen Papa und Mama nicht mehr kosten als ein paar Nerven“. Dies sei sehr vordergründig mit dem Blick auf das Geld und nicht auf das Kind. „Wir wollen die Eltern unterstützen, damit sie neben ihrer Berufstätigkeit ihre Kinder noch begleiten, Uns geht es ums Kind und wir wollen kein Refugium schaffen, in das man Kinder abschieben kann.“ Es sei nämlich besser, dieses Geld in die Qualität der Kindergärten zu stecken. Dann komme es dem Kind viel besser zugute. „Ich möchte dieses Geld und die Milliardensummen viel lieber in die personelle und räumliche Ausstattung geben. Qualität vor Kostenfreiheit und besser eine Erhöhung des Basiswertes.“

MdL Steffen Vogel stimmte dem zu mit seinen Worten „eine gute Erziehung sollte auch den Eltern etwas wert sein. Der Bayerische Staat habe hier entsprechend reagiert und noch nie waren die Förderbedingungen so gut wie jetzt.“ So stünden jetzt für das 4. Investitionsprogramm (2017-2020) 178 Mio Euro zur Verfügung. Bei Bedarf werden weitere Mittel nachgeschoben und es gibt keinen Ausschlussgrund. Die finanzielle Situation der Einrichtungen hat sich also wesentlich gebessert.“ Auch die Senkung des Anstellungsschlüssels von 12,5 über 11,5 auf 11 sein ein besonderes Qualitätsmerkmal und im Landkreis Haßberge liege der durchschnittliche Schlüssel derzeit bei 1:9,83.

In diesem Werkstattgespräch, das sich über mehr als drei Stunden hinzog, kamen aber auch die Anliegen der Erzieherinnen und Erzieher oder der Träger nicht zu kurz. Zum Ausdruck kam dabei auch, dass die Anliegen sich unterscheiden je nach Größe der Einrichtung, aber man eben immer wieder auch von der Kommune abhängig sei.

Da war die Leiterin eines eingruppigen Kindergartens, „wir sind in einem schönen alten Haus untergebracht, aber irgendwann müssten halt auch einmal Elektrik, Heizung und vieles andere mehr erneuert werden“. Kindegartenleiterin Elisabeth Endres aus Maroldsweisach wies darauf hin, dass sich auch das Leben in einer Kindertagesstätte heute anders gestalte und man zusätzliche Räume brauche wie einen Speisesaal zum Essen. Hier schaltete sich auch Landrat Wilhelm Schneider ein und stimmte dem zu, dass hier der Raumbedarf angepasst und geändert werden müsse.

Auch zur „Qualität“ hatte eine andere Leiterin einen Vorschlag und forderte eine „Obergrenze“ für Einrichtungen. Schließlich rede man ja gerne von „individuellen Konzepten“. In diesem Zusammenhang wurde auch die Freistellung oder weitere Entlastung der Kindergartenleitung diskutiert. Hinsichtlich der Verbesserung des Anstellungsschlüssels zeigte man sich zufrieden, zumal man mit der Einführung des Jahresmittelwertes Ausgleiche vornehmen könne. Eine weitere Absenkung scheitere derzeit auch an fehlenden Fachkräften, was in der einen oder anderen Einrichtung auch Probleme aufwerfe. Die „Stundenbuchungen“ wurden je nach Größe der Einrichtung unterschiedlich beurteilt und manche meinten, sie hätte man nicht aus der Hand geben dürfen. Dies wirke sich nicht selten auf die Konstanz beim Personal aus, das man ja behalten möchte.

(gg)

 

Bild: MdL Steffen Vogel bedankte sich bei Domkapitular Clemens Bieber mit einem kleinen Weinpräsent für sein Engagement und auch die Unterstützung der Kindertageseinrichtungen m Landkreis Haßberge; hier mit Landrat Wilhelm Schneider (von links).